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Aktuelle Meldungen

Das Logo des Zentralrats der Juden in Deutschland

 


2. November 2026

Presseerklärung

 

Feierliche Eröffnung der Jüdischen Akademie in Frankfurt am Main

 

Am 2. November hat sich eine Lücke in der deutschen Bildungslandschaft geschlossen: Die Jüdische Akademie hat ihre Türen in Frankfurt am Main geöffnet. Als erste überregionale, außeruniversitäre jüdische Bildungseinrichtung seit der Schoa bringt sie künftig jüdische Perspektiven in gesellschaftliche Diskurse ein.

Gemäß ihrer Gründungsidee ist die Jüdische Akademie als intellektueller Anziehungspunkt ein offener Lern- und Debattenraum. Wissenschaftlich fundiert und konstruktiv begegnet die Einrichtung des Zentralrats der Juden in Deutschland der wachsenden gesellschaftlichen Polarisierung. Die Programmschwerpunkte der Akademie reichen von der Geschichte, Kultur und Tradition bis hin zur Gegenwart des Judentums, sie umfassen Israel und den Nahen Osten, Gesellschaft und Politik ebenso wie die Professionalisierung Jüdischer Gemeinden und Institutionen.

 

Neben dem Zentralrat der Juden als Träger der Jüdischen Akademie finanzieren die Bundesregierung, das Land Hessen sowie die Stadt Frankfurt am Main das Projekt an der Senckenberganlage im Frankfurter Westend.

 

Als Ehrengast und Hauptredner hielt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die zentrale Ansprache zur Eröffnung. Zuvor begrüßte Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, die Gäste. Gemeinsam mit dem Bundespräsidenten und dessen Gattin Elke Büdenbender, dem Hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein und dem Frankfurter Oberbürgermeister Mike Josef eröffnete Dr. Josef Schuster das Gebäude mit dem Durchschneiden des roten Bandes und der Anbringung der Mesusa durch die Gemeinderabbiner.

 

Neben dem Bundespräsidenten sprachen auch der Ministerpräsident sowie der Oberbürgermeister zu den rund 150 versammelten Gästen aus Politik, Gesellschaft, Wissenschaft und jüdischer Gemeinschaft. Abgerundet wird das Programm um die Eröffnung der Jüdischen Akademie durch Redebeiträge von Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt sowie Uwe Becker, Antisemitismusbeauftragter des Landes Hessen, beim abendlichen Dinner.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, sagte anlässlich der Vollendung dieses langjährigen Projekts: „Für die über 1.700 Jahre alte Geschichte jüdischen Lebens in Deutschland ist dieses Haus ein Meilenstein. Die Jüdische Akademie füllt eine Leerstelle, sie ist im eigentlichen Sinne ein jüdischer Ort. Die Akademie wird über das Judentum aufklären und seine positiven Seiten zeigen. Nach dem 7. Oktober 2023 ist es zudem die Aufgabe dieses Hauses, dem Judenhass mit den Mitteln der Bildung die Stirn zu bieten – mit Austausch, mit Aufklärung, mit offener Begegnung.“

 

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, bekräftigte: „Ich wünsche mir diese Akademie als ein Haus des Dialogs, in dem jede Frage Raum findet und jeder Fragende den Antworten des Gegenübers in Ruhe zuhört. Ein Haus, in dem das Wissen dem Urteil vorausgeht. Ein Haus, in dem aus besserer Kenntnis tieferer Respekt entsteht. Möge dieses Haus – ganz im Sinne Franz Rosenzweigs – all seine Besucherinnen und Besucher zum beständigen, lebhaften und direkten Austausch einladen. Ein solcher Dialog ist Grundlage allen demokratischen Handelns!“

 

Der Hessische Ministerpräsident Boris Rhein erklärte: „Jüdisches Leben und jüdische Kultur müssen sich frei und selbstbewusst in der Mitte unserer Gesellschaft entfalten können. Dafür braucht es Orte wie die Jüdische Akademie. Ich danke allen, die mit ihrem Engagement den Weg für diese Bildungseinrichtung geebnet haben, und denen, die sie künftig mit Leben füllen werden“. Rhein fügte hinzu: „Was in Frankfurt beginnt, soll in ganz Hessen wirken: in den Gemeinden, an unseren Schulen und Hochschulen, in unserer Gesellschaft. Das Land Hessen wird die Akademie auch künftig engagiert unterstützen. Denn jüdisches Leben gehört nicht nur zu Hessens Geschichte, sondern auch zu Hessens Gegenwart und Zukunft.“

 

Mike Josef, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main, äußerte sich wie folgt: „Mit der Jüdischen Akademie gewinnt Frankfurt einen Ort des Denkens, des Lernens und der gesellschaftlichen Debatte. Einen Ort, der aus jüdischer Tradition heraus in die Zukunft unseres Landes wirken wird. Dass diese Akademie hier ihre Heimat findet, erfüllt mich als Oberbürgermeister mit großer Freude. Jüdisches Leben ist kein Gast in Frankfurt. Es gehört zum Fundament unserer Stadt. Es hat Frankfurt geprägt. Und es wird Frankfurt auch in Zukunft prägen.“

 

Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, betonte: „Es ist mir eine große Ehre, heute die feierliche Eröffnung der Jüdischen Akademie miterleben zu dürfen. Hier wird jüdisches Leben in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dargestellt und diskutiert werden. Frankfurt am Main mit seiner reichen jüdischen Tradition ist als Sitz dieser einmaligen Akademie geradezu prädestiniert. Mir persönlich ist der Kampf gegen den Antisemitismus und auch die Erforschung des jüdischen Lebens in der Gegenwart eine Herzensangelegenheit. Dementsprechend ermöglicht mein Haus hierzu viele Forschungsprojekte in großen Förderlinien. Über Forschung das Wissen zu mehren – dieses Anliegen eint uns mit dieser neuen Einrichtung. In diesem Sinne bin ich überzeugt, dass die Jüdische Akademie zu einem Ort mit gesellschaftlicher Strahlkraft wird. Ein Ort des Wissens. Ein Ort des Austausches. Ein Ort der Vermittlung.“

 

Als Antisemitismusbeauftragter des Landes Hessen äußerte sich Uwe Becker: „Die jüdische Akademie ist ein Ausrufezeichen jüdischen Lebens in Deutschland und wird in der Tradition des jüdischen Lehrhauses wichtige Impulse für die gesellschaftliche Entwicklung unseres Landes aus jüdischer Perspektive setzen. Als jüdischer Thinktank wird die Akademie kulturelle und interreligiöse Brücken bauen und gerade in einer Zeit des wachsenden Antisemitismus das Wissen über und das Verständnis für jüdisches Leben in unserer Gesellschaft stärken. Ich freue mich, dass die Jüdische Akademie ihren Sitz in der jüdischsten Stadt Deutschlands nimmt. Mit ihrem Standort an zentraler Stelle unterstreicht die Jüdische Akademie, dass sie wie jüdisches Leben insgesamt zentraler Teil unserer Gesellschaft und unserer Identität ist.“

 

Weitere Informationen zur Eröffnung der Jüdischen Akademie finden Sie hier.


14. Oktober 2026

Presseerklärung

 

Antisemitismusbeauftragte der Bunderegierung: Zentralrat der Juden begrüßt Katharina von Schnurbein

 

Anlässlich der Neubesetzung der Stelle des Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus erklärt der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster:

 

„Katharina von Schnurbein war elf Jahre lang Antisemitismusbeauftragte der europäischen Kommission in Brüssel. Sie ist im Kampf gegen Antisemitismus international bestens vernetzt. Frau von Schnurbein genießt in der jüdischen Gemeinschaft – nicht nur in Deutschland – ein sehr hohes Ansehen. Auch persönlich kenne ich sie schon viele Jahre. Ich halte Katharina von Schnurbein sowohl persönlich als auch professionell für eine herausragende Besetzung. Ich bin daher sehr erfreut, dass Sie bereit ist, die Nachfolge von Felix Klein als Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus anzutreten.

 

Mit der Amtsübernahme stellt sich Frau von Schnurbein großen Herausforderungen. Nach dem 7. Oktober 2023 beobachten wir nach dem explosionsartigen Anstieg des Judenhasses nun seine fortschreitende Normalisierung in der Mitte der Gesellschaft. Immer häufiger trägt der alte Hass das neue Gewand des ‚Antizionismus‘. Ich bin überzeugt, dass Frau von Schnurbein die Richtige ist, um diesen Herausforderungen zu begegnen. In ihrer Zeit in Brüssel hat sie über die Jahre zahlreiche Initiativen zur Bekämpfung des Antisemitismus und zur Stärkung jüdischen Lebens vorangebracht. So ist es ihrem Wirken zu verdanken, dass alle 27 EU-Staaten die IHRA-Definition zur Erkennung von Antisemitismus anwenden.“


22. September 2026

Presseerklärung

 

Berliner Wahlen 2026

 

Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, zu den Wahlen in Berlin:

 

„Im Wahlkampf ist die LINKE wiederholt mit antisemitischen Grenzüberschreitungen aufgefallen. Auf einer Bühne wurde zur Intifada und dem Tod israelischer Soldaten aufgerufen, im Publikum dazu gesungen und getanzt.

 

Dass eine Partei, auf deren Wahlkampfbühne offen der Tod von Menschen gefordert wurde, als Siegerin aus der Wahl hervorgeht, beunruhigt mich zutiefst. Bis heute gab es keine personellen oder politischen Konsequenzen. Beteuerungen der LINKE sind nichts anderes als Lippenbekenntnisse. In der Bekämpfung des Judenhasses, den diese Partei in ihren Reihen duldet und frei gewähren lässt, besitzt die LINKE keinerlei Glaubwürdigkeit mehr.

 

Ich appelliere an SPD und Grüne, dieser Partei nicht ins Rote Rathaus zu verhelfen. Vor der Wahl gezogene rote Linien nun leichtfertig zu überschreiten, wäre ein schwerer Fehler, mit dem der fortschreitenden Normalisierung des Judenhasses weiter Vorschub geleistet würde.“


17. September 2026

Presseerklärung

 

Brandanschlag auf das Gebäude der Synagoge in Wuppertal

 

Zum Brandanschlag auf das Gebäude der Synagoge in Wuppertal äußert sich der Präsident des Zentralrats der Juden, Dr. Josef Schuster:

 

„Erneut ist es in der Zeit der jüdischen Hohen Feiertage zu einem Anschlag auf eine Synagoge gekommen.

 

Was mich zutiefst verstört, ist die Seelenruhe, mit welcher der Täter in Wuppertal diesen Anschlag am helllichten Tag durchgeführt hat. Von Unrechtsbewusstsein oder Scham fehlt jede Spur. Dieses Vorgehen bezeugt die fortschreitende Normalisierung des Judenhasses, auf die unsere Gesellschaft bisher keine Antwort gefunden hat.

 

Der Zeitpunkt dieses Anschlags ist nicht zufällig gewählt. Er erinnert an den Anschlag von Chanukka 2025 in Sydney, Jom Kippur 2025 in Manchester sowie den Anschlag in Halle 2019. In Wuppertal selbst wurde 2014 bereits ein Brandanschlag auf die Synagoge verübt. Es bleibt das Muster antisemitischer Gewalt, Feiertage auszuwählen, um Angst zu verbreiten und jüdisches Leben immer weiter aus der Öffentlichkeit zu verdrängen.

 

In drei Tagen beginnt der höchste jüdische Feiertag Jom Kippur. Alle Synagogen werden voll sein. Die Sicherheitsbehörden sind in der Pflicht, die Sicherheit der Gottesdienste zu gewährleisten. Wir wollen und werden uns nicht davon abhalten lassen, unsere Religion zu leben.“


26. August 2026

Presseerklärung

 

Zentralrat der Juden und Ernst Klett Verlag kooperieren bei neuer Lehrwerksreihe

 

Erstes Schülerarbeitsbuch für den jüdischen Religionsunterricht in der Lehrwerksreihe „Da’at Hadorot – Lernen. Verstehen. Weitergeben.“ ab sofort erhältlich

 

Berlin/Stuttgart, 25.08.2026 – Der Zentralrat der Juden in Deutschland und der Ernst Klett Verlag stellen mit „Da’at Hadorot – Lernen. Verstehen. Weitergeben.“ eine neue deutschsprachige Lehrwerksreihe für den jüdischen Religionsunterricht vor. Herausgeber der Reihe ist der Zentralrat der Juden in Deutschland. Der Ernst Klett Verlag hat die Entwicklung des Unterrichtswerks mit seiner verlegerischen und didaktischen Expertise eng begleitet.

 

Die Reihe richtet sich primär an Lehrkräfte des jüdischen Religionsunterrichts in allen Bundesländern und umfasst Schülerarbeitsbücher sowie begleitende didaktische Handreichungen. Insgesamt sind acht Schülerarbeitsbücher für die Jahrgangsstufen 5 bis 10 geplant. Den Auftakt bildet der Band „Tora“, der für Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse konzipiert wurde.

 

Mit dieser Lehrwerksreihe reagiert der Zentralrat der Juden in Deutschland auf den Bedarf nach qualitativ hochwertigen Materialien für den jüdischen Religionsunterricht. Pädagoginnen und Pädagogen erhalten moderne, praxisnahe Materialien, während Schülerinnen und Schüler einen lebendigen Zugang zu den zentralen Texten und Traditionen des Judentums gewinnen. Das Unterrichtswerk verbindet fachliche Qualität mit einer altersgerechten didaktischen Aufbereitung. Zugleich ist es Ausdruck eines gefestigten jüdischen Selbstverständnisses und der lebendigen Entwicklung jüdischen Lebens in Deutschland.

 

„Erstmals nach der Schoa entsteht nun eine Schulbuchreihe für den jüdischen Religionsunterricht, die sich gezielt an den Lehrplänen orientiert und weitere Materialien wie Arbeitshefte und Lehrhandreichungen zur Verfügung stellt. Jüdischer Religionsunterricht findet so auf Augenhöhe mit den christlich-konfessionellen Fächern statt. Ich danke dem Ernst Klett Verlag für die langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit, die diesen Schritt ermöglicht“, betont Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.

 

„Die Kooperation verbindet die fachliche und religionspädagogische Expertise des Zentralrats mit unserer didaktischen und verlegerischen Erfahrung“, ergänzt Maximilian Schulyok, Vorsitzender Geschäftsführer des Ernst Klett Verlags. „Die daraus entstehenden Impulse bereichern auch die Weiterentwicklung unserer eigenen Bildungsmedien.“

 

Das erste Schülerarbeitsbuch „Tora“ mit begleitender Handreichung für Lehrkräfte ist ab sofort über den Onlineshop des Zentralrats der Juden in Deutschland erhältlich. Die weiteren Bände der Reihe werden schrittweise veröffentlicht. Begleitend zur Einführung sind Workshops für Lehrkräfte vorgesehen.

 

Weitere Informationen und Bestellung: https://shop.zentralratderjuden.de


29. Juli 2026

Presseerklärung

 

Neuer J7-Jahresbericht: 2025 war das Jahr mit den meisten tödlichen antisemitischen Angriffen in der Diaspora seit über 30 Jahren

Die Zahl der antisemitischen Vorfälle in den J7-Ländern liegt 136 Prozent über dem Niveau von 2022 – dem Jahr vor dem Hamas-Angriff auf Israel am 7. Oktober. Gewalttätige Übergriffe nahmen im selben Zeitraum um 97 Prozent zu. Deutschland verzeichnet seit 2021 einen Zuwachs der antisemitischen Vorfälle um 215 Prozent.

 

Bei antisemitischen Angriffen wurden im vergangenen Jahr in Sydney, Manchester, Washington, D.C. und Boulder, Colorado, 20 Menschen ermordet. Damit war 2025 für die jüdische Diaspora das Jahr mit der höchsten Zahl an Todesopfern durch antisemitische Gewalt seit dem AMIA-Bombenanschlag in Argentinien 1994.

 

Vor diesem Hintergrund veröffentlicht die J7 Large Communities' Task Force Against Antisemitism heute ihren insgesamt zweiten Jahresbericht zum weltweiten Antisemitismus. Dieser dokumentiert für das Jahr 2025 mehr als 23.000 antisemitische Vorfälle in den J7-Ländern (Argentinien, Australien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Großbritannien und den USA), die über 90 % der jüdischen Diaspora repräsentieren. Alle J7-Länder verzeichnen weiterhin ein Vorfallniveau, das dramatisch über den Werten aus der Zeit vor dem 7. Oktober 2023 liegt.

 

Zur Lage in Deutschland äußerte sich der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster:

„Die 8.725 im Jahr 2025 registrierten Vorfälle sind ein bitterer Befund. Deutschland weist die mit Abstand höchste Rate an antisemitischen Vorfällen pro jüdischem Einwohner in den J7-Staaten auf. Die Zahlen belegen die fortschreitende Normalisierung des Judenhasses. Dieser wird von den politischen Rändern von links bis rechts geschürt und dabei zunehmend als „Antizionismus“ maskiert. Deshalb erwarten wir vom Gesetzgeber, dass er bestehende Lücken im Strafrecht schließt und Aufrufe zur Zerstörung des Staates Israel konsequent unter Strafe stellt.“

 

Zentrale Erkenntnisse zur Situation in Deutschland:

  • Deutschland weist weiterhin die höchste Rate an antisemitischen Vorfällen pro jüdischem Einwohner auf: fast 70 Vorfälle pro 1.000 jüdische Einwohner im Jahr 2025.

  • Zwischen 2021 und 2025 stieg die Zahl der antisemitischen Vorfälle in Deutschland um 215 %.

  • Die Auswertung zeigt einen drastischen Zuwachs an beiden politischen Rändern. Zwar liegt die absolute Zahl der antisemitischen Vorfälle mit rechtsextremem Hintergrund (Anstieg von 562 auf 807 Fälle) über der aus dem linken, antiimperialistischen Spektrum (Anstieg von 349 auf 501 Fälle). Der prozentuale Zuwachs ist 2025 mit jeweils exakt 43,6 % jedoch in beiden Lagern identisch hoch.

  • Vorfälle, die als „Anti-Israel-Aktivismus“ kategorisiert wurden, machten in Deutschland im Jahr 2025 mindestens 22,6 % aller erfassten Vorfälle aus.
     

Zentrale Erkenntnisse weltweit:

  • Insgesamt 20 Menschen wurden 2025 bei antisemitischen Angriffen getötet, alle in J7-Ländern. Dies umfasst 15 Ermordete bei einer Chanukka-Feier in Sydney, zwei Tote an Jom Kippur in einer Synagoge in Manchester, zwei Tote im Capital Jewish Museum in Washington, D.C. und ein Todesopfer in Boulder, Colorado.

  • Antizionismus war 2025 weltweit ein Hauptmotiv für einen erheblichen Teil der antisemitischen Vorfälle, darunter 48 % in Großbritannien, 45 % in den USA und 23 % in Deutschland.


Über die J7 Task Force

Die J7, The Large Communities’ Task Force Against Antisemitism, wurde als Reaktion auf die weltweit steigenden Raten von Antisemitismus gegründet und umfasst führende jüdische Organisationen in den USA, Kanada, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Argentinien und Australien. Neben Konsultationen auf höchster Ebene leitet die J7 Arbeitsgruppen, die sich aus Fachexperten jeder Gemeinde zusammensetzen, um Strategien und Aktionspläne in Bereichen wie Politik und Interessenvertretung, Technologiepolitik, Sicherheit, Extremismus und Aufklärung gegen Antisemitismus zu entwickeln.

 

Methode

Der J7-Jahresbericht wird von den jüdischen Vertretungen der sieben Mitgliedsstaaten, für Deutschland durch den Zentralrat der Juden, gemeinsam verfasst und herausgegeben. Die länderspezifischen Daten für Deutschland basieren dabei auf zwei zentralen Quellen: den offiziellen Erhebungen des Bundesverbandes der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS) sowie dem „Lagebild der jüdischen Gemeinden in Deutschland“, das der Zentralrat der Juden jährlich erhebt.

 

Material

J7 Task Force Second Annual Report.

Jahresbericht 2025 des Bundesverbands.

Drittes Lagebild der Jüdischen Gemeinden.


10. Juni 2026

Presseerklärung

 

Leo-Baeck-Preis 2026 geht an den Kabarettisten Dieter Nuhr

 

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat in diesem Jahr seine höchste Auszeichnung, den Leo-Baeck-Preis, an den Kabarettisten, Autoren und Moderator Dieter Nuhr verliehen. Der Zentralrat der Juden würdigt damit Nuhrs entschiedenen Einsatz gegen Antisemitismus in der Medienlandschaft. Die feierliche Preisverleihung fand in den Berliner Wilhelm Studios statt. Die Laudatio hielt der Psychologe und Autor Ahmad Mansour.

 

In seiner Rede betonte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster: „Es ist nicht die Aufgabe des Kabaretts, den Menschen zu gefallen. Es ist seine Aufgabe, die Menschen zu konfrontieren. Widerspruch auszulösen, vor allem aber Reflexion über die eigene Position zu ermöglichen. Dieter Nuhr nutzt seine Reichweite, um genau das in Bezug auf Israel und das Judentum zu tun. Konsequent deckt er die Doppelstandards auf, denen die deutsche Medienlandschaft bei diesen Themen oftmals unterliegt. In einer Zeit, in der der Antisemitismus eine Normalisierung erfährt, steht Dieter Nuhr an der Seite der jüdischen Gemeinschaft. Das macht ihn zu einem würdigen Träger des Leo-Baeck-Preises.“

 

Der Laudator Ahmad Mansour erklärte in seiner Rede: „Dieter Nuhrs Kunst ist eine seltene: Er fasst Unbehagen in Worte. Er nimmt das diffuse Gefühl, das viele tragen, aber nicht benennen können, und gibt ihm eine Sprache – so präzise, dass die Zuschauer nicht nur lachen, sondern denken: Genau so ist es. So hätte ich es auch sagen wollen.


Diese Fähigkeit allein wäre schon besonders. Aber wenn man die deutsche Debatte der letzten Jahre betrachtet, dann reicht das Wort ‚Fähigkeit‘ nicht mehr. Dann muss man von Mut sprechen.“

 

In seiner Rede sagte der Preisträger Dieter Nuhr: „Dieser Preis ist etwas sehr Besonderes. Weil er mir nicht als Komiker verliehen wird, sondern als Mensch, für meine Haltung, gegen Intoleranz, gegen Radikalismus, gegen Antisemitismus. Wir erleben heute wieder, dass Menschen mitlaufen, sich offensichtlich gedankenlos einfügen in eine sich moralisch überlegen fühlende Menge. Genau da entsteht der Raum, in dem sich das Böse entfaltet. Und wir können nicht mehr tun als dagegenhalten, argumentieren – und Witze machen.“

 

Seit 1957 zeichnet der Zentralrat der Juden mit dem Leo-Baeck-Preis Persönlichkeiten aus, die in besonderem Maße für die jüdische Gemeinschaft eingetreten sind. Die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung bewahrt das Andenken an Rabbiner Leo Baeck sel. A. Zu den bisherigen Preisträgern zählen namhafte Persönlichkeiten wie der ehem. Bundespräsident Richard von Weizsäcker (1994), die ehem. Bundeskanzlerin Angela Merkel (2007), der ehem. Bundesminister Cem Özdemir (2022) und der Präsident von Borussia Dortmund Hans-Joachim Watzke (2024).

 


Mehr unter www.zentralratderjuden.de