Die Führung findet bei jedem Wetter statt
Am 1. September schien das Wetter fest entschlossen, die Teilnehmer der Stadtführung „Vergessene Winkel, lebendige Geschichten“ auf die Probe zu stellen. Der Himmel über Kiel war grau, und immer wieder gingen kurze, aber heftige Regenschauer nieder. Da blieb so mancher lieber zu Hause: Viele, die sich zur Führung angemeldet hatten, riefen an und sagten ihre Teilnahme ab.
Doch die Führung sollte bei jedem Wetter stattfinden. Und so fanden sich schließlich die Hartnäckigsten zusammen. Dass sich das Durchhalten gelohnt hatte, zeigte sich schon bald.
Gemeinsam mit dem Stadtführer Andre Demin machten wir uns auf den Weg, um neue Seiten der Kieler Geschichte zu entdecken. Sergej Strachow übersetzte die Führung ins Russische.
Der Rundgang begann unter den Gewölben des Stadtmuseums und führte anschließend ins Schifffahrtsmuseum, wo sich Kiel von seiner maritimen Seite präsentierte. Danach erfuhren wir viel Interessantes über die Vergangenheit und Zukunft des Kieler Schlosses. Auf dem Alten Markt stiegen wir hinab in den Keller des alten Rathauses, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Vom ursprünglichen Gebäude ist heute kaum noch etwas erhalten, doch seine Geschichte lebt in den verbliebenen Fragmenten weiter. Auch der Alte Markt selbst wartet auf seine Neugestaltung.
Eine Kieler Geschichte nach der anderen begegnete den Teilnehmern: das mittelalterliche und das moderne Kiel, die maritime und die militärische Stadt, das im Krieg zerstörte und das sich bis heute ständig wandelnde Kiel. Andre Demin erzählte so anschaulich, dass die Vergangenheit plötzlich ganz nah schien – bevölkert von Menschen, geprägt von Ereignissen und voller kleiner Geschichten und überraschender Details.
Zum Abschluss führte der Rundgang in die Haßstraße, zur Gedenktafel an der Wand der zerstörten Synagoge. Hier führte die Tour zur Erinnerung an die jüdische Geschichte Kiels und an jene Kapitel der Vergangenheit, die nicht vergessen werden dürfen.
Trotz des Regens waren alle Teilnehmer mit der Führung sehr zufrieden. An diesem Tag lernten sie Kiel von einer neuen Seite kennen – und waren sich offenbar einig: Für eine echte Reise durch die Geschichte der Stadt gibt es kein schlechtes Wetter.





